Beruhigungsmittel Hund

Beruhigungsmittel für Hunde

Beruhigungsmittel für Hunde: Muss das sein?

Unter welchen Umständen ist ein Medikament sinnvoll?

Viele Menschen lehnen Beruhigungsmittel für Hunde in Form eines Medikaments kategorisch ab. Grundsätzlich bin ich ja auch dafür, erst einmal Alternativen auszuprobieren. Und wenn ich nicht weiter komme, dann greife ich zu einem Medikament. Aber natürlich hängt das dann auch von der Ernsthaftigkeit des Problems ab.

Und wenn dein Hund vielleicht schon bei ganz normalen Alltagsgeräuschen extrem reagiert. Wenn er noch Tage nach Silvester nicht vor die Tür will. Ein LKW fährt vorbei, ein Garagentor fällt zu und dein Hund zittert um sein Leben? Wenn also ein normaler Alltag nicht mehr möglich ist, finde ich, wird es Zeit, sich mit Beruhigungsmitteln vom Tierarzt auseinander zu setzen.

Denn stell dir doch mal vor, du müsstest ständig um dein Leben fürchten! Was wäre das für ein Leben? Und was wäre das für eine Lebensqualität?

Und natürlich soll dieses Medikament deinen Hund nicht zudröhnen. Auf gar keinen Fall! Es soll deinem Hund helfen, dass die vielen weiteren wirksamen Maßnahmen zur Beruhigung besser greifen. Und auch schneller.

Welche Beruhigungsmittel für Hunde gibt es eigentlich?

Benzodiazepine

Da gibt es zum Einen die Gruppe der Benzodiazepine. Dazu gehört Diazepam oder Alprazolam. Das Tückische ist hier, dass das Medikament ca. 5 Stunden wirkt. Und es bereits gegeben werden sollte, wenn dein Hund noch entspannt ist. Ist er bereits in Panik, kann eine paradoxe Wirkung eintreten. Mit anderen Worten: Das Medikament kann exakt das Gegenteil bewirken als das, was es soll: Nämlich beruhigen!

Wenn du also weißt, wann die besonders lauten LKWs bei dir vorbeifahren oder der Nachbar das Garagentor herunterlässt, wäre es eine Möglichkeit. Aber wie gesagt: Parallel dazu fängst du dann mit einem Anti-Geräuschangst-Training an!

Ein weiterer Nachteil: Es kann enthemmen. Falls also dein Hund mit einem gewissen Aggressionspotential zu kämpfen hat, ist dieses Beruhigungsmittel für Hunde keine gute Idee.

Gabapentin

Dieses Medikament ist im Allgemeinen gut verträglich. Und es ist angstlösend. Ja sogar teilweise sedierend, also „ruhigstellend“.

Sileo®

Dieses Mittel soll Hunden mit Geräuschängsten verschrieben werden, denn dazu ist dieses Medikament speziell zugelassen. Und Tierärzte sind mittlerweile dazu angehalten, ein Präparat aus dem veterinärmedizinischen Bereich zu wählen, sofern das existiert. Mehr dazu findest du in dem Blog-Post des Ulmer Tierarzt Dr. Ralf Rückert: https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=20203

Übrigens gibst du Sileo® nicht einfach in Form von Tabletten! Du erhältst ein Gel und reibst es in die Maulschleimhaut deines Hundes ein.

Acepromacin

Auf gar keinen Fall ein Medikament mit dem Wirkstoff Acepromacin!! Es handelt sich hier um die Mittel Vetranquil, Sedalin, Calmivet und Prequillan.

Das Gemeine ist hier nämlich, dass diese Medikamente lediglich die Muskulatur entspannen. Du denkst, dein Hund ist tiefenentspannt, dabei sind es lediglich seine Muskeln. Doch in seinem Kopf spielt sich alles so ab, wie sonst, wenn Angstauslöser zu hören sind. Er bekommt alles 1:1 mit. Und kann sich nun aber nicht wehren.

Auch wenn die bisherigen Strategien, mit seiner Angst umzugehen, vielleicht nicht vollkommen erfolgreich waren. So hat er sich doch wohler gefühlt, wenn er z.B. deine Nähe haben wollte. Oder sich vorsichtshalber im Schrank, im Keller oder in der Dusche verkrochen hat.

Doch das kann er nicht mehr. Er ist den Geräuschen noch stärker ausgeliefert als sonst. Das kann zur Folge haben, dass er nun erst richtig traumatisiert wird.

Risiken und Nebenwirkungen

Wenn Gifte ins Gehirn gelangen

Medikamente können problematisch sein, wenn dein Hund am MDR1-Defekt leiden sollte. Hier funktioniert die Blut-Hirn-Schranke nicht ordnungsgemäß. So dass Gifte ins Gehirn gelangen, die normalerweise von der Blut-Hirn-Schranke zurückgehalten werden. Und dieser Defekt kann tödlich sein. Wenn eben entsprechende Gifte im Gehirn landen.

Worum geht es hier genau? Das können Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems sein, zur Schmerzunterdrückung, Mittel gegen Parasiten oder auch zur Beruhigung.

Für einen Hund mit dem MDR1-Defekt kann eine Wurmkur mit einem bestimmten Wirkstoff tödlich sein. Und auch Beruhigungsmittel für Hunde bergen eine große Gefahr.

Welche Hunde sind betroffen?

Es handelt sich um Rassen, die mit dem Collie verwandt sind, und zwar zu folgenden Prozentzahlen:

  • Collie (Kurzhaar): 68%
  • Collie (Langhaar): 55-57%
  • Longhair Whipped: 42-65%
  • Australian Shepherd (Miniature): 20-50%
  • Shetland Sheepdog (Sheltie): 7-35%
  • Silken Windhound: 18-30%
  • Australian Shepherd: 17-46%
  • McNab: 17-30%
  • Wäller: 17-19%
  • Weißer Schäferhund: 14%
  • Old English Sheepdog (Bobtail): 1-11%
  • English Shepherd: 7-15%
  • Deutscher Schäferhund: 6-10%
  • Border Collie: 1-2%
  • Mischling: 1-7%

Die Zahlen stammen aus einem Blog-Posts des Tierarztes Dr. Ralph Rückert: Blog-Post von Dr. Rückert zum MDR1-Defekt

Beruhigungsmittel für Hunde: Gibt es Alternativen?

 

Ja, natürlich gibt es sie. Eine Vielzahl von Möglichkeiten existieren, um deinen Hund zu beruhigen. Und viele sind gar nicht bekannt. Also, wenn du bereits einiges ausprobiert hast, so bist du mit Sicherheit noch nicht „am Ende der Fahnenstange“ angelangt. Viele Infos erhältst du ab Oktober 2020 in meinem eBook: Silvesterangst und Gewitterstress.

Und wenn dein Hund extrem verängstigt ist, so dass sich seine Angst stark auf seine Lebensqualität auswirkt, dann wende dich an deinen Tierarzt. Und beginne parallel dazu ein Anti-Geräuschangst-Training. Damit die Medikamentengabe wirklich die große Ausnahme bleibt.

Für mehr Lebensqualität!! Für dich! Und für deinen Hund! 🙂

Welche Fehler machen eigentlich viele Hundebesitzer, wenn sie versuchen, ihrem Hund bei seinen Geräuschängsten zu helfen? Klicke dazu auf folgenden Link: Gibt es für die Geräuschangst deines Hundes vielleicht sogar eine relativ einfache Lösung?

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